Donnerstag, 15. Januar 2009

Geschichte Teil 2


Etwa fünzig Meter vor mir hob sich das Dach. Wie von Geisterhand bewegt stieg es halbhimmelhoch empor um dann an die genau gleiche Stelle zurück zu plumpsen. Dies war das Ereignis, welches meinen heutigen Tag einschneidend veränderte. Es hat nicht nur den Tag aller andern verändert, nein, auch mein Tag wurde anderst.-


Gerade eben bin ich doch in den hintersten Doppelstockwagen eingestiegen. Versunken tief in das Bewusstsein, dass mein heutiger Tag ein spezieller sein würde. Plötzliche Schreie hoben mich aus der Tiefe der Gedanken. Wie ein Artist der auf dem Trapez in die Höhe gezogen wird tauchte ich stetig in die Kuppel der realen Welt auf. Vor uns standen die Wagen nicht mehr auf dem Geleise. Eine grosse Staubglocke verhinderte besseres Erkennen. Schemenhaft reihte sich das Unglück vor uns auf. Während unser Wagen noch am selben Platz stand, Gott musste uns gnädig gewesen sein, war der sonstige Schienenalltag total durcheinander gebracht. Und allmählich konnte man das Ausmass der Verwüstung erkennen. Die Detonation hatte die ehemalige Bahnhofshalle in den Vorhof der Hölle verwandelt. -


Mein Gemütszustand rutschte vom Regen in die Traufe. Hatte ich geradeebennoch gedankenverloren über die erfolgreiche Durchlebung meines Tages nachgedacht, zog mich das aktuelle Ggeschehen nun flutwellenartig in einen schockartigen Zustand. Anstatt mich weiterhin am Sonnenstrand der guten Gedanken sonnen zu können, steckte mein Gewissen ohne bei mir nachzufragen ein neues Tagesziel ab. Langsam und leise zog es mich zu der Erkenntnis hin, dass weiteres Träumen nun nicht mehr erlaubt ist. Dabei hatte der Tag doch so gut angefangen. Alles hatte gestimmt an diesem morgen. Der Hund liess mich üblicherweise nicht ohne freudige Begrüssung müde aufstehen. Der Lärm den ich in der Küche verursachte war Weckermässig für meine Familie. Und die Kinder zankten sich schon kurz nach dem Aufstehen. Hervorragend war also der Tagesbeginn. Schliesslich war da auf dem Weg zur Arbeit noch die -häschmer än Stutz- Frage. Unüblich war nur die Erhöhung der Bitte auf Franken zehn.


Jetzt, fünf Minuten nach der Detonation, musste ich meine Einstellung überprüfen. Einfach abschleichen und weiter romantisieren wäre möglich, aber nicht förderlich für ein frohes Gewissen. Da war nur der schockartige Zustand in den ich gefallen war. Ihn musste ich abstreifen, um nicht wie ein Breakdancer zu wirken, der in seinen Zuckungen erstarrt ist. Schliesslich ging es darum, wie das Küken das Ei zu verlassen und sich der Realität zu stellen. Die Glocke zum Wachwerden hatte geschlagen. Ächzend schälte ich mich also aus der nicht selbstverschuldeten Lethargie. Erste Hilfe Leistung war gefragt. Schliesslich war unser Wagenteil unversehrt geblieben. Ich und die andern- wir stürmten nun aus dem Wagen. Das heisst, ich, infolge persönlicher Datenverarbeitung, ein bischen später. Aber nicht zu spät um jemandem Hoffnung zu bringen. Beseelt stürmte also auch ich aufs Perron. Meine Erste Hilfe galt nicht einem Verunglückten, sondern einem Sitznachbarn. Kaum dass er draussen war, fiel er hin. Mir scheint er hat seine Gedankenverlorenheit nicht bewältigt. Wie sonst kann es sein, dass er auf den Anblick nicht gefasst war. Ich legte ihn also in die Lage aus der ich kam, die Schocklage, und kümmerte mich um das weitere ...






















Donnerstag, 8. Januar 2009

The milky way

Die zarteste Versuchung seit es das Leben gibt.Aussortiert hat die Zeit den Menschen. -
Vorbei sind arbeitsreiche Stunden. Reduziert hat die Industrialisierung das Tun. Dementsprechend verändert bietet sich das Bild moderner Einquartierung. Der Hasenstall sagen die einen, und meinen damit den Grossbau, der die Grossfamilie ersetzt. Dort hat der Mensch einst gelebt. Umgeben nicht von Mauern, sondern von Menschen. Keinen Anspruch hat das Leben im Hasenstall an die Ganzheitlichkeit des Menschen. Das Gebrauchtwerden der Arbeitskraft Mensch beschränkt sich auf sein Spezialisiertes und das Gelernte. Kein Bedarf hat die Postmoderne an Quantenfliegen, denen es möglich wäre, jeden erdenklichen Job zu tun und die ihr Leben auf eine breite und sinngebende Basis stellen wollen.
Nach getaner Arbeit empfängt viele die Leere. Keine Arbeit ist mehr zu tun, als sich zu unterhalten. Das demokratische Wohlfühlmodell bedingt, dass jemand arbeitet und andere sich unterhalten. Niemand ist berufen mehr zu tun, als am Ende jeden Monats sein Gehalt einzustreichen. Genuss ist angesagt, denn arbeiten tut jetzt ausschliesslich der Angestellte. Die Zeit hat den Menschen somit zu müssigem Nichtstun aussortiert. Der milky way of life ruft zum süssen Nichtstun. Die Heizung liefert die Wärme, die Maschine saubere Kleider, das Oel angenehme Zimmertemperatur und für Kaffe brauchts den Knopfdruck. Alles kann man kaufen, für nichts muss man eigentlich den Finger krumm, die Hände schmutzig machen. Ein Segen für Seele und Gemüt wäre es, wenn manches nicht so leicht zu ergattern wäre. Wenn viele Arbeiten wieder durch das gemeinsame Engagement am Strick gelöst würden, wären auch die Seelsorgeanstalten nicht so voll. Das Hängen lassen zwischen Gebrauchtwerden und Alleinsein treibt doch manchen Bürger in die Sinnlehre. Der Weg weg von zu viel Wohlstandsgehabe zu mehr Ganzheitlichkeit in der Arbeitswelt trägt eindeutig einen segensvollen Charakter. Die Alleinmacherkoryphäe würde wieder aussterben.
Das Bedürfnis des Menschen aus der Isoliertheit zu erwachen gleicht dem Dornröschen schlaf. Um die Gleichgültigkeit eines Konsumlebens zu verlassen braucht es etwas, dass entschieden reizvoller wäre. Der zu erfolgende Wachkuss müsste also immens sein. Er müsste so gross sein, um die Seifenblase eines moderen Lebens platzen zu lassen. Menschen würden erwachsen, die wieder Ideen für ein Zusammenleben in Frieden liefern. Geschichte könnte örtlich und raumdeckend neu gestaltet werden. Man würde von aussen schauen und sagen, seht das ist das Volk, das neues wagt. Das ist das Volk, das sich wirklich um sein wohl sorgt. Ein wohl, das im Aufgefangen sein des ganzen Menschen liegt.

Donnerstag, 25. Dezember 2008

Kleine Weihnachtsgeschichte


Droges Dilemma!
Gauer 09:43h
Es war einmal eine Droge.

Droge lebte friedlich unter den Stoffen. Die Stoffe und die Droge ergänzten einander, jeder erfüllte seinen Plan. Eines Tages aber, als die Stoffe wie immer friedlich beieinander waren, ging Droge weg aus ihrer Mitte. Seit langem brodelte es in ihrem Innern. Irgendwie bin ich doch anderst, als die anderen. Ich bin doch Droge, in mir steckt mehr Macht, mehr Know-How und schliesslich mehr Schönheit, so dachte sie. Darum ging Droge in ihre Höhle um nachzudenken. Jetzt gehe ich einfach zurück und rufe allen laut zu: Ich bin die Stärkste unter euch, ihr müsst mir gehorchen. So dachte sie. Diesen Vorsatz führte Droge nicht aus, dazu fehlte ihr der Mut. Jedoch entschloss sie sich, nach ihrer Rückkehr, jeden Stoff persönlich aufzusuchen. Wenn ich jeden Stoff allein anspreche, dann bin ich stärker.

Genau so war es. Die Stoffe waren hilflos der Droge ausgeliefert. Alle? Waren wirklich alle ausgeliefert und ohne Rat. Nein, da war ja noch Edelweis, das reinste unter den Stoffen. Es war eine Art von heiligem Schein, den das Edelweis umgab. Und den zu durchdringen, dazu war Droge nicht Imstande. Kaum war Droge in der Nähe von Edelweiss, sackte sie in sich zusammen. Droge schaffte es etliche um sich zu sammeln. Viele aber liessen sich nicht von Droges Macht verführen und gesellten sich zu Edelweiss. Materie nun, in der die Stoffe lebten, beobachtete sorgenvoll die Vorgänge in ihrem Innern. Droge wurde immer mächtiger. Kalte, schwarze Striche durchzogen jetzt die Materie und die Atmosphäre wurde merklich frostiger. Die Herrschaft der Droge breitete sich aus und auch Edelweiss bekam es zu spürenMaterie erlebte sich durch viele kleine Risse gespalten. Wollte sie nicht zerbrechen, musste sie handeln. Besser, ich setze Droge und ihre Gefährten in den Raum, als das wir alle unsere Heimat verlieren.


Droges Sturz ins Nichts gab viel zu reden unter den Stoffen. Alle waren sie aber heilfroh, dass der Friede wieder hergestellt war. Kann die Geschichte hier enden? Nein, denn kaum war Droge und co auf sich allein gestellt, verursachten sie das Chaos. Wie es anfänglich im Innern der Droge brodelte, so brodelte es jetzt überall im Raum, wo sie sich aufhielten. Das konnte Materie nicht dulden, denn aus dem Nichts war sie ja entstanden. Und wo sollte das nun enden, wenn Droge gleich mächtig oder sogar mächtiger zu werden drohte? Materie beschloss daher zu handeln und gab dem Chaos eine Form. In dieser Form gebe ich Droge und seinen Anhängern die Möglichkeit, sich zu entfalten, und zu bessern. Und wenn ich nun einen übrigen Stoff aus meiner Materie, den ich bestimme, zu ihnen ins geformte Nichts schicke, werden sie meine Gedanken der Liebe für sie erkennen. Dann werden sie umkehren und mich, ihre heimatliche Materie, anerkennen. Nun gab es natürlich eine grosse Unruhe unter den Stoffen. Denn wer wollte schon das harmonische Gefüge indem sie lebten, verlassen, und alleine ins Nichts eintauchen? Materie liebte die Soffe alle gleich. Keines war bevorzugt. Insgeheim aber wussten alle schon, für diesen Auftrag kommt nur einer in Frage: Edelweiss. Aufgrund seiner Treue der Materie gegenüber und seiner Austrahlung war es allen ein Vorbild. Edelweis sagte zu, obwohl der Entscheid nicht einfach war. Seine Motivation vor dem Gehorsam war die Liebe. Jedoch fürchtete sie sich schon ein kleines bischen. Denn, mit welchen Waffen soll ich im Nichts gegen die ehemaligen Gefährten kämpfen? So dachte Edelweiss. Aber schliesslich rang es sich durch und machte sich auf den Weg ins Nichts.

Dort angekommen begann es sofort Ordnung und Leben zu verbreiten. Der Erfolg Edelweis' war offensichtlich. Viele der gefallenen Stoffe liessen sich von der friedlichen und bestimmten Lebensart von Edelweis' zurückrufen. Der Materie und ihren Stoffen blieb natürlich dieser Erfolg nicht unentdeckt und es brach Jubel unter ihnen aus. Die Gefolgschaft Edelweis' wurde immer grösser. Dass konnte Droge nicht leiden. Sie begann nun Hinterlistigkeiten auszudenken. Irgendwie wusste sie, dass ihre Zeit im Nichts beschränkt ist, darum begann sie sofort Falschaussagen achtlos unter die Anhänger Edelweis' zu werfen. Wenn zum Beispiel zwei Stoffe tiefere Freundschaft schlossen, so bediente sich Droge des Neides indem sie sprach: "Schau dir deinen Freund an, er hat Erfolg, er ist schön und gebildet. Du jedoch bist nur halb so schön und du begreifst die einfachsten Sachen nur halb so schnell. Der Erfolg wird darum vor dir fliehen, seiner Freundschaft bist du nicht wert." Auf diese Weise wurde die gegenseitige Achtung untergraben. So kam es, dass Droge es erreichte, Anhänger von Edelweis' wieder unter seine Autorität zu bringen.

Bald darauf verhärteten sich die Fronten. Edelweis' und seine Getreuen liebten Gerechtigkeit und Frieden über alles; Droge und seine Genossen liebten das Chaos. Nun begab es sich aber, dass Droge und seine Anhänger mit der Zeit eigene Lebensregeln aufstellten. Die Werte Materies und Edelweis' waren gut gewesen. Alle hatten sie akzeptiert. Das entstandene Chaos im Nichts forderte nun neue Gesetze. Das sahen selbst Droge und seine Leute ein. Sie erschufen jede Menge von Gesetzen wovon die meisten Droges Leuten zu mehr eigenem Reichtum verhalfen. Droges Bosheit ging jetzt so weit, dass Edelweis aufgrund dieser Gesetze wegen Aufruhr des Volkes vor Gericht geführt wurde. Immer noch versuchte Edelweis' alle abgefallenen Stoffe zur Umkehr zu bringen. Das wurde ihr erschwert, denn die beiden Gruppen hatten sich erhärtet. Schliesslich kam es soweit, dass niemand mehr an den Erfolg der Mission Edelweis' glaubte.Edelweis' selber redete geheimnisvolles Zeug und sogar ihre Anhänger kamen gedanklich nicht mehr mit. Sie müsse bald sterben, die Bosheit des Chaos vordere es. Ausserdem sei es der Auftrag Materies an sie, und einen Ausweg sähe sie auch nicht. Sie sei gekommen, die Welt im Chaos gewaltlos von der ewigen Liebe seiner Heimat zu überzeugen. Die Empörung sei der Tod für alle und alle bräuchten nun ihre Hilfe.

Auf brutale Weise wurde Edelweis' durch die Bosheit von Droges Leuten hingerichtet. Dunkelheit durchzog für einige Zeit die Atmosphäre. Und nur wenige ahnten, die Welt ist nicht am Ende, diese Erreignisse versprechen etwas Gutes. Droge seinerseits sprach händereibend:" Diesen Friedensstörer bin ich jetzt endlich los". Tatsächlich waren die Kraft und der Mut Edelweis' Anhänger gesunken. Traurig sassen sie in ihrer Loge beisammen, liessen die Köpfe hängen. Pessimismus machte sich breit und verzagt waren ihre Herzen. Alles hätten sie von ihrem Herrn und Lehrer erwartet, aber nicht den Abschied auf diese Weise. Es klopfte an der verschlossenen Tür. Ein stets hilfbereiter Stoff öffnete. Vor der Tür stand Stoffin. Aufgeregt erzählte sie sofort allen, dass Edelweis' Grab offen und lehr sei. Bestürtzt rannten nun alle freien Soffe ins Freie und dann nach der Grabstätte. Soeben erschien dort links vom Grab eine Gestalt. "Meine geliebten Stoffe," wurden sie nun angesprochen," was ich voraussagte ist eingetroffen. Das schönste der Stoffe musste sterben, wie es Materies Wille war, um dadurch den Tod, dem jeder im Nichts durch eigenes Verschulden ausgeliefert war, auf sich zu nehmen. Jeder der nun mir und meiner Tat vertrauen schenkt, wird von neuem in Materies Welt aufgenommen." Erkenntis um Erkenntnis fiel den Anhängern Edelweis' wie Schuppen von den Augen. "Nur noch eine kleine Zeit und die letzte Verheissung wird sich erfüllen." Erleichtert und in Gedanken in Edelweis' letzte Worte versunken, machten sie sich auf den Weg.

Dienstag, 9. September 2008

Glockengeläut

Als ich eines Tages gedankenverloren an meiner Freizeitbeschäftigung sitze, Puzzle zusammensetzen, fällt mir auf einmal der ferne Glockenschlag auf. Oder besser gesagt, dass beständige Läuten eines Kirchturmes. Schon beinahe tönte es wie ein Sturmgeläut. Überrascht denke ich, wieso ist mir das Geläut erst jetzt aufgefallen? Einerseits sicher, weil ich zufest in meinen Gedanken vertieft war, andererseits aber sicher auch, weil es nichts mehr bedeutet, wenn eine Glocke schlägt. Man hat sich eben daran gewöhnt, das Geläut zu ignorieren. Seit langem hat man sich von der Kirche entfremdet. Der Verstand hat sich von gottesdienstlichem Leben abgelöst und macht sich noch lustig darüber. Blass und undeutlich kann man sich gerade noch an die eigene Konfirmation erinnern. Jetzt geht man noch zur Kirche wenn jemand stirbt oder heiratet. Ansonsten ist man zur besten Kirchenzeit, dem Sonntag-morgen, sein eigener Herr und fest von einer weichen Bettdecken umgeben. Da mag es sich auch ein bischen fremd und eigenartig anfühlen, dass der Glockenklang Eingang in die Rockmusick gefunden hat. Hells Bells, die Höllenglocken haben aber vielleicht sogar recht. Wenn der Kirchturm den Bürger nicht mehr zu frommem Kirchgang zu verlocken mag, kehrt sich die Botschaft. Das Geläut zeigt den Weg zur Hölle. Das Rufen der Glocke bedeutet nichts mehr. Wenn man dann einmal hinhört, verkündet sie dem Gewissen, was der Mensch eigentlich mal sollte. -
Als Mitglied von Jesus Freaks St.Gallen frage ich mich nach den Möglichkeiten, die man anstelle des Glockengeläuts einsetzen könnte, um Bürger wieder in die Gemeinschaft in einer langen Sitzbank zu rufen. Ist eine Gemeinschaft lebendig, das heisst, die Frohheit deutlich spürbar, so ist dies sicher das erste auf das Leute ansprechen. Dann aber kann man aber auch Gruppenspezifisch am Klang der Glocke arbeiten. Das Kirchengeläut kann sicher attraktiver ausfallen, als ein monotones Gebimmel. Die Aufforderung einen Gottesdienst zu besuchen kann mit einer knalligen Internet Seite ins Land posaunt werden. Ein abgefahrenes Konzert kann jungen Menschen mal die Augen über geistliche Wahrheiten öffnen. Ein obergeiles Fest eine trunkene Einsamkeit lindern. Die Vernetzung im Internet andere auf sich aufmerksam machen. Plakate dem eingeschlafenen Bürger ins Auge springen. Mucken den Musikfanatiker aufhorchen lassen. Hier ist auch der Auftrag der Jesus Freaks. Jesus Freaks gründen neue Gruppen und Gemeinden um in ihrer Umgebung Gleichgesinnte mit modernem Geläut zu wecken. Für Jesus, für Gott:-)

Dienstag, 26. August 2008

Der unsichtbare Brief

Eine Betrachtung der Möglichkeiten einer ehemals verbrieften Gesellschaft.Datenübertragung. Heute werden Daten übertragen. Eisenklirrendes Gehabe, Briefvogelmanier und Laufburschenzeiten sind vorbei. Eine schwierige Sache wäre es, das geschriebene Mail mitsamt Computer zu verpacken und dem Adressaten zu schicken. Die Herausforderung der Technik war es natürlich, einen Computer nicht schicken zu müssen. Ohne Frage wäre es ja überhaupt kein Fortschritt, müsste man mühsam einen Computer von A nach B tragen. Die Entwicklung kam also dem Briefschreiber entgegen, indem die sich mitteilenwollende Person bloss noch die richtige Taste drücken muss. Um sein geliebtes oder ungeliebtes Gegenüber zu erreichen öffne man ein virtuelles Fenster. Klar muss man sich nur noch über die zu wählende Sprache sein. Ob blumig oder direkt, gefasste Sätze oder Wortsprache ist lediglich noch eine Stilfrage. Dabei lässt man sich doch meistens von der Kunstlosigkeit des Bildschirms verleiten. Eine gewählte Sprache leidet zudem noch an der schnelllebigen Form des Mediums. Gemachte Schreibfehler können sofort und beliebig verbessert werden. Gerade dies will man aber nicht. Richtig locker lässt man Fehler stehen. Sonst könnte man ja wieder auf Taube Brief und Bursche zurückgreifen. Ebenso zeitaufwändig wäre es jeden Fehler zu korrigieren. Man bleibt also beim Computer und schickt seine meist unkontrollierten Reime in die Welt. Genug hat man ja schliesslich gelernt, um zu wissen, dass eine Botschaft auch völlig unkorrekt am Ziel ankommt und seine Wirkung zeigt. Der Empfänger hat viel mehr zu tun. Die Entzifferung mag ja noch hinwegfallen. Computerschrift kann ja jeder lesen. Schwieriger wird jedoch die anstehende Interpretation sein. Was meinte jetzt der Schreiber mit diesen komischen Buchstaben. Die Deutung macht also so ein Dokument wieder wichtig. Man betrachtet es wieder mit intensität und versucht den wahren Gehalt zu entdecken. Alles in allem, um eine Botschaft zu verstehen, muss also trotzdem einige Zeit investiert werden. Wieso also nicht wieder Tauben schicken

Spinnenleben

Eine Spinne hat mir etwas mehr vom Leben gezeigt. Unwissend trug ich sie auf einem Holz in die Küche. Das Holz, ein Klotz Buche zum Heizen bestimmt, sieht für mich ganz normal aus. Nichts deutet darauf hin, dass er Leben birgt. Durch das Gerüttle geweckt, kriecht das kleine Viech hervor. Sie ist ungefähr so klein wie ein Floh. Gerade mache ich mich bereit, den Block seiner Bestimmung zuzuführen, als ein sanfter Gedanke, ein stiller Hinweis, durch mein Hirn fegt. Tötest du Leben? Ist doch nur eine Spinne, zudem noch sehr klein, von denen hat es doch viele. Und viele haben mein Interesse nicht gefunden und wurden gebraten. Man kann doch nicht jeden Holzklotz drehen, oder. Die Spinne kümmerts indes nicht und kriecht auf ihrer Welt in die nächste Spalte. Dieses kleine Ding weiss einfach nicht, um was es geht, dass es nämlich auf meine Gunst angewiesen ist. Ansonsten sind es jetzt nur noch Sekunden, da ihr Leben dauert. Wie will sie das auch merken, denn der Klotz ist ja die Welt, den schon ihre Vorfahren bevölkert haben. Keine Ahnung hat die Spinne von den Dingen jenseits des Holzes. Sie weiss schlicht und einfach nicht, dass es da ein Wesen gibt, dass in diesem Moment über ihr Leben und Zukunft entscheidet. Eine Sache ist es indessen, die mich an diesem Morgen wachrüttelt. Es ist ein einfacher, direkter Gedanke, der mein Gewissen wie von einem Pfeil gefedert, durchbohrt. Ich habe die Spinne gesehen. Ich weiss, dass es sie gibt. Das Holz ist nicht mehr nur ein Holz, es ist ein Holz mit Spinne. Wenn ich jetzt den Klotz einfach reinwerfe, kann ich hinterher nicht mehr sagen, ich hätte nicht gewusst, dass der Klotz eine Bewohnerin birgt. Hinsehen und Leben bemerken und dann so tun als hätte ich nichts gesehen, geht nicht mehr. Meine Entscheidung ist gefällt. An diesem morgen wechsle den Klotz aus. Habe ja genug davon und trage auch keinen Schaden davon. Und wenn mir schliesslich jemals etwas Grösseres, etwas mit immenseren Ausmassen anvertraut wird, möchte ich wieder die gleiche Entscheidung fällen. Ich lasse Leben am leben, trage sorge zur Schöpfung. -

Freitag, 22. August 2008

Start zu jhome`s world

Eine Blätteroase und das Getümmel der Charaktere. Es befinden sich 3 Bänke dort. Jeder Bank besteht aus 2 breiten und einem dünnen Balken. Genügende Dicke garantiert die Sitzsicherheit. Einzig der verwahrlosten Zeit entnommene Einkerbungen könnten etwas daran ändern. In der Mitte steht ein Brunnen. Besser gesagt, ein Brünnlein. Um ihn sich vorstellen zu können, denke man sich einen Ziehbrunnen ohne Hebel. Seine Leitung ist mit 5 verschieden bemusterten und im Durchmesser verschiedenen Rohrstücken bemantelt. Oder man denke sich einen Marterpfahl der sich gegen die Mitte verjüngt, und gegen das obere und untere Ende zunimmt. Der 6. und breiteste Teil dient als Wasserauffangtopf. An ihm befindet sich der Hahn in Form eines Knaufs. Und das Wasser ist trinkbar. Mensch und Tier, sie laben sich hier. 4 Bäume, die im Halbkreis von ungefähr 14m Durchmesser verteilt stehen, bilden das Blätterdach. Eine Plakatsäule steht am rechten Eckpunkt. Begrenzt wird der Platz vorne von der einen ¼ bogenschreibenden Hauptstrasse und hinten von der Limmat. Hier, meine Damen und Herren, lässt sich so manches erleben. Menschen gehen hier ein und aus, sie könnten seltener nicht sein. Und hier war es, da mich eine Gassenlady nach dem Senf fragt, der reichlich aufgtragen auf meinem Cervelatkarton liegt. Ich gebe noch einen Brocken von meinem Bürli, die Wurst esse ich selber, denn ich dachte in diesem Moment nicht daran, mehr abzugeben. Der nächste Mensch der die Örtlichkeit benützt, ist Japaner. Dem Gepäck nach zu urteilen ist er auf der Durchreise. Sein Bedürfniss ist rasch gestillt. Photoapparat neben das Gepäck auf den Bank gestellt, dann nur schnell neben das Brünnlein gestanden, schon ist das Bild im Kasten und die Erinnerung auf ein Photoleben gebannt. Nicht nur die Abgrenzung zum stressbehafteten Leben zieht die Menschen an, auch das Gratiswasser lockt unter das Blätterdach. Wasser sprengt Grenzen, kennt keine Ausgrenzung. Ob Punks, Vater und Kind, Ausländer oder Taube, jeden lässt es trinken. Allein der Stil der Taube fasziniert. Der Mensch hält vorsichtig seinen Schnabel unter den Wasserstrahl. Die Taube, dazu noch eine reinweisse, hält den ganzen Kopf in den Wasserbogen und trinkt auf diese Weise was sie abbekommt. Als der Vater davon trinkt, hält er sich am Hahn resp. Knauf und dreht diesen beim Absetzen nach aussen. Der Wasserstrahl geht nun zu Boden. Ist ja nur Wasser, das kann man so lassen. Denke es und dreh den Wasserknauf eigenhändig zurück. Der Friede ist zurückgekehrt. Unterdessen sind da auch ein paar Alcs eingetrudelt. Sie sind die eigentlichen Lokalmatadoren. Dabei befindet sich jener junge Mann, den ich zusammen mit der Frau kennenlerne, der ich Senf gab. Frägt geradeheraus nach Bier. Hab ich aber nicht. Nur noch einen kleinen Schluck in meiner Eichhoffdose. Sie ist jetzt entsorgt. Nicht von mir. Ein Alci der eine Weile auf der rechten Bank sass, sorgte sich darum. Nun bin ich auch mittendrin, unter den Matadoren des Platzes, den Charakteren unter dem Blätterdach. Sie sitzen, sie schauen. Die Sinnlosigkeit ihres Daseins ist durch die Welt ausserhalb ihrer kleinen Oase begründet. Ausgegrenzt sitzen sie in einer abgegrenzten Welt. Von hier aus schauen sie nach dem sogenannten normalen Leben. Lassen sich freien Lauf. Den Gedanken wie den Worten. Manche Frau wird betrachtet, etliche Kritik genommen. Zusammenhänge werden gesehen, Mängel der Gesellschaft an den Pranger gestellt. Aussenwelt und Innenwelt wird sich aber weiterhin kaum berühren. Die Einen arbeiten zuviel, die Anderen geniessen zuviel. Raum zum Erwachsen werden, aufzustehen und wirklich zu leben braucht es aber für beide. Für den der Gesellschft entfremdeten wie für den von der Gesellschft eingespannten. So denke ich und verlasse verträumt den Platz unter dem Blätterdach.